Erkrankungen der Nebennieren

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Primäre bilaterale makronoduläre adrenale Hyperplasie

Die gutartige knotige Vergrößerung beider Nebennieren, die sog. primäre bilterale makronoduläre adrenale Hyperplasie (PMAH), ist eine vermutlich seltene Ursache (weniger als 2%) des endogenen Cushing-Syndroms (CS), die vereinzelt (sporadisch) und auch familiär gehäuft auftreten kann und zum Hypercortisolismus führt, also zu körperlichen Veränderungen (z.B. Gewichtszunahme, Muskelschwäche, Osteoporose, Infektionsneigung, Gesichtsrötung), die durch ein dauerhaftes Überangebot des Nebennierenhormons Cortisol hervorgerufen werden. Richtungsweisend ist die ausgeprägte knotige Vergrößerung der Nebennieren mit gesteigerter Cortisol-Freisetzung bei gleichzeitig niedriger Freisetzung des Steuerungshormons der Nebenniere (ACTH) aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Das Vorkommen dieser Erkrankung wird sicherlich noch unterschätzt, da die Ausprägung des Hypercortisolismus mild sein kann und somit teils schwer zu erkennen ist.
Die Krankheitslast ergibt sich durch die Folgen des bestehenden Hypercotisolismus.

Kürzlich konnte eine französische Forschergruppe bei etwa 55% der von dieser Erkrankung betroffenen Patienten eine Mutation (Veränderung des Erbguts) sowohl im Blut (sog. Keimbahnmutation) als auch weitere Mutationen in den knotigen Nebennieren (sog. somatische Mutationen als "second hit") im armadillo repeat containing 5 (ARMC5) Gen als ursächlich für diese Erkrankung beschreiben. ARMC5 scheint die Funktion eines Tumor-Suppressor-Gen zu haben, die vollständige (biallelische) Inaktivierung des Gens durch die Mutationen führt im Verlauf zur Tumorentstehung.

Unsere Arbeitsgruppe konnte in Kooperation mit Kollegen aus Luxemburg, Köln und Würzburg das gemeinsame Vorkommen von Meningeomen (gutartigen Geschwülsten der Hirnhaut) und zum Hypercortisolismus führender primärer makronodulärer adrenaler Hyperplasie (PMAH) im Rahmen des ARMC5-Tumorsyndroms erstbeschreiben und auch die zugrundeliegenden genetischen Veränderungen bestätigen. Da ARMC5 in unterschiedlichen Geweben vorkommt und klinische Beobachtungen das Vorhandensein weiterer Tumorarten und Erkrankungen im Rahmen des ARMC5-Tumorsyndroms nahe legen, überprüfen wir die von uns betreuten Patienten mit makronodulärer adrenaler Hyperplasie genetisch auf das Vorhandensein einer ARMC5-Mutation (falls gewünscht) und untersuchen sie klinisch sorgfältig, um das Auftreten weiterer assoziierter Erkrankungen zu erforschen.
Diese Erkenntnisse sind für die Betreuung (künftiger) PMAH-Patienten von entscheidender Bedeutung, um eine gezielte Diagnostik bezüglich weiterer Erkrankungen im Rahmen des ARMC5-Tumorsyndroms einleiten, frühzeitig therapieren und so die Krankheitslast reduzieren zu können.

Vom Vorhandensein weiterer, noch nicht beschriebener zu makronodulärer adrenaler Hyperplasie führender Tumorsyndrome ist auszugehen, so dass wir auch weitere genetische Ursachen für eine PMAH erforschen möchten.

Die klinische Studie "Phänotypische und genotypische Charakterisierung von Patienten mit zur primären makronodulären adrenalen Hyperplasie führenden Tumorsyndromen" wird führend durch unseren Oberarzt Dr. Ulf Elbelt in Kooperation mit Dr. med. Michael Kloth  (Insitut für Pathologie, Uniklinik Köln) und Prof. Dr. med. Jochen Schneider (Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB), Esch/Alzette, Luxembourg) durchgeführt.